Zuhören

Kommunizieren ist nicht nur Senden. Zu Empfangen ist mindestens genauso wichtig.

Es gibt einen Cartoon von Daniel Jokesch. Er zeigt zwei Männer, die sich in einer geöffneten Tür gegenüber stehen. Der eine hält ein Buch mit dem Titel „Darwin“ vor sich und sagt „Hätten Sie kurz Zeit, nicht über Gott zu sprechen?“. Unter dieser Zeichnung steht „Wenn Wissenschaftler missionieren“. Ich finde diesen Cartoon großartig.

Wissenschaftskommunikation ist keine Missionierungsarbeit. Im Enthusiasmus für das eigene Forschungsfeld und die eigene Institution lassen wir uns dennoch manchmal dazu hinreißen.

Anderen zuhören

Um diesem Missionieren entgegenzuwirken, hilft es zuzuhören. Zuhören um zu verstehen, nicht um zu antworten.
» Zuhören um andere Sichtweisen zu verstehen – Warum denkst du das?
» Zuhören um aus einer anderen Perspektive auf Dinge zu sehen, die ich vielleicht als selbstverständlich wahr annehme und dann merke, dass es eben nicht für alle selbstverständlich ist.
» Zuhören um Impulse für meine eigene Arbeit zu gewinnen, sowohl was Themen als auch Methodik angeht.
» Zuhören um dazuzulernen. Wir sind alle Expert:innen, die Felder unserer Expertisen unterscheiden sich.

Sich selbst zuhören

Wenn uns der neutrale Blick auf uns selbst gelingt (und das ist zugegebenermaßen schwierig), dann ist das sehr erhellend. Was rede und schreibe ich da? Bin ich verständlich? Bin ich neutral oder leidenschaftlich? Klinge ich meiner Rolle angemessen? Stehe ich zu dem, was ich da vermittle? Werde ich damit dem mir als Wissenschaftler:in entgegengebrachten Vertrauen gerecht?

Zuhören als Job

Als Kommunikator:in hören wir ganz viel zu
» den Kolleg:innen, wenn sie uns Input für Pressemitteilungen und News geben
» den Reaktionen aus der Social Media Community
» dem Management, den Gremien, Aufsichtsräten und Kuratorien
» Besucher:innen bei Messen, Tagen der offenen Tür und anderen Veranstaltungen
» der WissKomm-Community, der Weltpolitik, unserem Umfeld

Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht. Doch ein bisschen ist der Kommunikations-Sensor in mir immer an. Da muss ich schon sehr bewusst abschalten, um nicht ständig alles durch die Kommunikationsbrille zu scannen.

Und deshalb zum Abschluss noch eine Ergänzung zum sich selbst Zuhören. Wenn die innere Stimme sagt „Reicht jetzt für den Moment.“ oder „Auf einer Science-Slam-Bühne zu stehen ist nicht so meins.“, dann sollte man auch da zuhören. Um zu verstehen, nicht um zu antworten.

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In meiner Serie #wisskommabc geht es um Werkzeuge, Themen und Kernelemente der strategischen Wissenschaftskommunikation und Erfahrungen aus dem Alltag.

Analyse