Marketing – Die dunkle Seite der Macht?
Manchmal hab ich den Eindruck, Marketing ist in der WissKomm-Community etwas verpönt. Einerseits kann ich das nachvollziehen, dennoch verblüfft es mich.
Einerseits
Wissenschaft soll neutral oder zumindest objektiv sein. Zu guter wissenschaftlicher Praxis zählt „strikte Ehrlichkeit im Hinblick auf die eigenen und die Beiträge Dritter zu wahren, alle Ergebnisse konsequent selbst anzuzweifeln, sowie einen kritischen Diskurs in der wissenschaftlichen Gemeinschaft zuzulassen und zu fördern.“. [1]
Ähnliches gilt für Wissenschaftskommunikation. „Wissenschaftskommunikation [unterliegt] den gleichen Erwartungen und Standards, die an gute Forschung und Lehre angelegt werden. Sie ist integer in ihren Inhalten und Methoden, sie ist relevant, nachvollziehbar, verständlich und transparent.“ [2]
Neutral, objektiv, transparent – Attribute, die wir nicht zwingend mit Marketing assoziieren.
Andererseits
Marketing soll mein Interesse für ein bestimmtes Produkt oder eine Marke wecken, damit ich dieses Produkt oder diese Marke kaufe.
Interpretiere ich „kaufen“ etwas offener, könnte ich schreiben „damit ich…“:
» mich für einen bestimmten Studiengang einschreibe
» den Newsletter einer Forschungsinstitution abonniere
» mich auf einen Job in einem Forschungsprojekt bewerbe
Marketing ist längst Teil der Wissenschaft.
Fördermittel, Studierende, Mitarbeiter:innen, Teilnahme an und Einfluss auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Diskurse – das sind nur einige der Gründe, warum wir als Forschungseinrichtung oder Hochschule uns und unsere „Produkte“ vermarkten wollen und müssen.
WissKomm hui, Marketing pfui?
Im Alltag der Organisationskommunikation haben beide gleichermaßen ihre Berechtigung. Im Idealfall bauen sie aufeinander auf und arbeiten einander zu.
Klare Unterschiede zwischen Wissenschaftskommunikation und Marketing gibt es vor allem in Hinblick auf Objektivität und die Ziele. Manchmal wird die Grenze zwischen ihnen dennoch etwas unscharf.
Um meine eigene Glaubwürdigkeit und Integrität nicht zu riskieren, sollte ich mir deshalb bewusst sein, in welche Kategorie mein Text, Vortrag oder Posting… einzuordnen ist und entscheiden, ob es zum Anlass bzw. zur Plattform passt.
Quellen:
[1] „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG
[2] „Handlungsperspektiven für die Wissenschaftskommunikation“, Hashtag#FactoryWisskomm.
===========
In meiner Serie #wisskommabc geht es um Werkzeuge, Themen und Kernelemente der strategischen Wissenschaftskommunikation und Erfahrungen aus dem Alltag.
